Hohhot

2:50 AM Monday, March 15, 2010

Toderschöpft, von Grosstadt Sightseeing, ununterbrochenem Reisen, Dorm-rooms mit schnarchenden Zimmergenossen, frühem Aufstehen und spät ins Bett gehen und manchmal das Essen vergessen, flog ich heute morgen von Xi’an nach Hohhot. Ich hatte sehnlichst gehofft, dass ich hier etwas Ruhe finde, und meine Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Hohhot scheint eine Gemütliche Kleinstadt (1.5 Mio) in der Provinz „Innere Mongolei“ zu sein, die Strassen noch mit Schneematsch von letzer Woche, und mit einer Kälte, die, im Vergleich zur feuchten Kälte in Yangshuo mir nicht unbekannt ist und sich angenehm anfühlt. Das beste ist aber das Guesthouse, das ich reserviert habe. Es wird von einer super netten Mongolischen Familie geführt, und die Dorms befinden sich in deren Wohnung. Nach Ankunft wurde ich direkt in die Küche an den Tisch geführt und bekam Tee und durfte mit ihnen Mitessen. Hier werde ich mich trotz der bestimmt vorhandenen Schnarchern ausruhen können, zumal es in dieser Stadt nicht viel zu sehen gibt, was mir aber sehr entgegen kommt. Nach den ersten 3 Supermärkten glaubte ich noch an einen Zufall, doch mittlerweile stelle ich, mit fortschreitenden Tagen, in denen ich die letzten Reste aus meinem Deo kratze, und mit erschrecken fest, das man hier in China kein Deo kaufen kann.

Frisch ausgeschlafen, da alleine im Dorm, machte ich mich heute morgen bei Temperaturen um die 0° und strahlendem Sonnenschein auf, die Hauptstadt der inneren Mongolei zu erforschen. Zuerst sah ich mir den Tempel der 5 Pagoden an, und danach eine Moschee und zwei Klöster aus dem 16 Jht (Bilder). Als Nicht-Asiate geht man hier in Hohhot durchaus als Stadtattraktion durch und man wird, z.B. aus der Sicherheit eines Busses ziemlich unverholen begutachtet, und wenn man auf die seltenen chinesischen Touristen trifft kann man sicher sein, dass man mit ihnen und einem Victory-Zeichen posieren muss. Ungefähr 30% tragen hier einen Mundschutz. Vorallem Frauen, bei denen es eine Art Modeaccesoir zu sein scheint, da er häufig passend zur Kleidung und zum Teil verziert wie Unterwäsche ist. Ich habe dies schon im Süden beobachtet, konnte aber nicht genau herausfinden was den der Grund ist, Schutz vor Viren, Luftverschmutzung oder, was hier in Hohhot der Fall zu sein scheint die Kälte.







Die Terracotta Armee

11:00 PM Friday, March 12, 2010

Der erste Emperor, Qin Shi Huangdi, der mächtigste und brutalste und vielleicht auch genialste und einflussreichste Staatsmann aller Zeiten, steht am Anfang des Staates China. Er war es, der mit nur 13 Jahren den Thron bestieg und binnen 25 Jahren die „kriegerischen Staaten“ eroberte und den Staat China erschuf, Masseinheiten einführte, eine Einheitliche Schrift und strenge Gesetze entwarf, alles, um den Staat so effizient wie möglich zu gestalten. Eine Demonstration dieser Effizienz war die Verbindung einzelner Teilstücke der grossen Mauer zu einem 5000km langen Stück (221 BC) aus heutzutage überirdisch längst erodiertem, gestampftem Lehm. Ein Zeitgenosse, der die Mauer inspizierte, zeigte sich jedoch weitaus beeindruckter von der 850 km lange Strasse zum Bau der Mauer, die technisch aufwändiger war als die Mauer selbst.$

Ein weiterer Zeitgenosse von Qin Shi Huangdi, Sima Quin, war es auch, der das Mausoleum desselben in ausgeschmückten Worten beschreibt: “Die äussere Schicht des Grabes wurde vollständig mit Bronze umhüllt, während das innere Grab mit Replikaten von Schlössern und Palästen, von Aussichtstürmen und Offiziellen gefüllt wurde. Hunderte von Flüssen wurden mit Silber nachgebildet, in einer Art und Weise dass man den Eindruck hat sie fliessen. Mit Edelmetall wurde der Himmel und die Erde nachgebildet, und die Lampen wurden mit öl gefüllt, so dass sie bis in alle Ewigkeit brennen. Das Grab wurde vollständig mit Selbsschussanlagen abgesichert, und 700‘000 Arbeiter waren an dessen Ausarbeitung beteiligt.“ Diese Beschreibung wurde bis ins Jahr 1974 als schiere übertreibung angesehen. In diesem Jahr jedoch hat man die Terracotta Armee endeckt. Die Terracotta Armee, Chinas beliebteste und bekannteste Touristenattraktion, ist jedoch mit ihren bisher augegrabenen 8000 lebensgrossen und lebensechten Nachbildung von Soldaten allerhöchstens die Vor-Vorkamer des eigentlichen Grabes des ersten Emperor, und wird von Sima Quin nicht einmal als erwähnenswert geachtet. Das Grab von Qin Shi Huangdi wurde mittlerweile in 1.5 km Enfernung zur Terracotta Armee identifiziert, und Sonar und andere Messungen haben einen massiven Metallgehalt festgestellt. Die Errichtung des Grabes begann, als Qin Shi den Thron bestieg und seine Fertigstellung dauerte 38 Jahre. Die ganze Grabanlage besitzt die Ausmasse von 56 km2, und bisher wurden 600 Probegrabungen getätigt, bei denen man über 50‘000 Objekte entdeckt hat. Es wird geglaubt, dass der Emperor den gesamten Palast und Teile der Stadt unterirdisch Nachbauenn, und sie mit Bronze und Tonstatuen bevölkern liess. Das Grab selbst ist aber bis heute nicht geöffnet, offiziell um bessere archäologische Mittel zur Erhaltung abzuwarten. Wenn man bedenkt, dass sogar in der Haupthalle der Terracotta Armee, die man besichtigen kann, bisher nur die Hälfte Ausgegraben ist, versteht man aber auch wieso das Grab selber noch unberührt ist. Es bräuchte wohl eine Qin Shi Armee von Archäologen um die Ausgrabungen in nützlicher Zeit fertig zu stellen. Der allergrösste archäologische Fund der Menschheitsgeschichte steht uns möglicherweise noch bevor!

Um zur Terracotta Armee zu gelangen, muss man erstmal eine Stunde Bus fahren. Damit ist es aber nicht getan; alle Touristen werden durch eine Strasse gelotst, deren einziger Zweck es ist, teures Essen und Souvenirs an den Mann zu bringen. Es ist ein magischer Moment, wenn man Halle 1 betritt, und diese finstere Armee dastehen sieht, in Auftrag gegeben von einem schrecklichen Diktator, unter der Erde für 2200 Jahre, eigentlich dazu bestimmt nie das Sonnenlicht zu sehen. Im Museum sind noch Bronzestatuen von ganzen Pferdekutschen und andere Metall und Lehmfiguren aus Testgrabungen der einzelnen Gruben Ausgestellt. Die Bronzestatuen sind unglaublich detailiert und aufwändig hergestellt. Alle Terracotta Krieger trugen Waffen und waren mit Lederausrüstung bekleidet. Einzelne Waffen sind auch im Museum zu bestaunen. Erstaunlicherweise sind einzelne Schwerter nicht von Korrosion beeinträchtigt. Die Forschung hat ergeben, dass zur Zeit des Emperors Anti-Korrosionsbeschichtung benutzt wurde, die 2000 Jahre später auch von Deutschland und Amerika entwickelt wurde. Wie sie das gemacht haben ist bis heute nicht bekannt. Die Figuren waren auch alle mal bemalt, die Farbe ist aber in zwei Jahrtausenden abgebröckelt. Definitiv ein Highlight jeder Chinareise.






Am Abend wurde ich noch von meiner Autobahnbekanntschaft und ihrem Freund zum Essen eingeladen, ich durfte nichte einmal das Taxi bezahlen.

Xi’an gefällt mir sehr gut. Die Leute sind sehr nett und es gibt eine Unmenge an Sehenswürdigkeiten. Kein Wunder, die Stadt diente von 1000 vor bis 1000 nach Christus und für elf Dynastien als Hauptstadt und bildet somit einen Querschnitt durch den Urprung der chinesischen Geschichte. Den ganzen Tag über war es wunderschönes Frühlingswetter und ich nutzte die Gelegenheit um die Stadt zu erkunden. Zuerst habe ich mir den Glockenturm und den Trommelturm aus der Ming Dynastie (13. Jahrhundert) angeschaut. Danach machte ich einen Spaziergang durch das Moslemviertel von Xi’an welches nördlich vom Trommelturm liegt. Das Quartier, bestehend aus zweigeschossigen Fachwerkhäusern wird von lebendigem Marktleben durchzogen. In den Fussgängerzonen (wo zwar auch Autos fahren), gibt es Leckereien in allen möglichen und unmöglichen Farben, Konsistenzen und Geschmäcker. Am Nachmittag schaute ich mir noch die kleine Wilganspagode aus der Tang Dynastie (700) und die Stadtmauer aus der Ming Dynastie an. Die Stadtmauer ist wohl das prominenteste Bauwerk der Stadt und bildet ein 14 km langes Rechteck dass die Stadt umgibt. Die Parkanlage, die die Pagode umgibt beherbergt ein imposantes Museum über die Geschichte von Xi’an. Es macht den Anschein als könne man hier überall Graben und einen historischen Fund machen. Jetzt weiss ich auch wieso ich andernorts 2000 Jahre alte Töpfereien z.T. im Freien (hinter Gittern) oder hinter einer Ungesicherten alten Glasscheibe ausgestellt sah. Die Artefakten, die das Museum austellt sind nur absolute Topobjekte, und man könnte gut einen Tag darin verbringen. Ich beschränkte mich darauf, flüchtig die Artefakten anzuschauen, die aus der Periode stammen, die ich in meinem Buch schon durch habe.







Leshan

6:33 AM Wednesday, March 10, 2010

Nachdem der gestrige Tag so ziemlich für Zahnarztbesuch (eigentlich war es ein Zahnarztspital) draufgegangen ist, was an und für sich schon ein Abenteuer war, wollte ich heute wieder was richtiges erleben. Nach einer 2 Stunden Busfahrt südlich von Chengdu, dass ich im Gespräch mit einem englischen Päärchen in meinem Alter verbrachte, beschlossen wir, den Grossen Buddha (Welt UNESCO Erbe) gemeinsam zu besichtigen. Dieser 71m hohe und 1200 Jahre alte sitzende Buddha ist von einem weitläufigen Park umgeben, der sehr schön angelegt ist und in dem es seinerseits viele Dinge zu entdecken gab. Unter anderem in Stein gemeisselte, originalgrosse Buddhareplikate aus ganz China, ausgegrabene Artefakten, Gräber und ein Tempel. Der Buddha selbst ist sehr beeindruckend, und wie ihr seht kann ich nicht einmal seine Zehen kitzeln. Er wurde seinerzeit errichtet um die Götter gnädig zu stimmen, damit sie den Flusslauf bändigen. Gut, dass das Abtragen der riesigen Steinmenge in den Fluss den Lauf tatsächlich gebändigt hat! Dies war der erste Tag seit ich in China bin, an dem die Sonne geschienen hat.





Von Chengdu nach Xi'an

Da der Zug ausgebucht, und der Flug zu teuer war, beschloss ich mit dem Bus von Chengdu nach Xi’an zu fahren. Vorgeschlagen waren 9 Stunden, und die Fahrt ging mit einer Stunde Verspätung los. Da die Chinesen absolut reiseuntauglich sind, mischte sich die Spucke in den Spucknäpfen auf dem Gang schon schnell mal mit Erbrochenem. Nach 4 Stunden Fahrt mit erstaundlicher Landschaft, riesigen Fabrikhallen und Autobahnbaustellen die ganze Täler ausfüllten, nahm die Fahrt ein jehes Ende; stehende Kolonne. Der Busfahrer fackelte nicht lange, kehrte auf kriminelle Art und Weise auf der Bergschnellstrasse um, und ging bei der nächsten Einfahrt raus, jawohl, Einfahrt. Dies ging natürlich nicht lange gut, und schon schnell waren wir von hupenden Lastwägen und Autos umzingelt. Nach Rückwartsmanöver und quer auf der Schnellstrasse stehen zwecks Einspuren in die Ausfahrt, gelangten wir per Landweg und Schritttempo (da entgegenkommen Lastwagen) zur nächsten Einfahrt. Leider war diese nicht nach der Ursache des Staus, sondern ebenfalls zuvor, mitten in die stehende Kolonne. Ok, alles Austeigen und Pause auf unbekannte Zeit. Alle Chinesen, die vorher schon kreuz und quer durch den Bus diskutiert haben, schlugen jetzt ihre Zelte auf. Schnell fanden sich Einheimische die die Gunst der Stunde nutzten um Nudeln zu verkaufen Ein paar Mitreisende machten chinesische Sprüche meinerseits, das von Gelächter begleitet wurde. Ich fühlte mich ehrlich gesagt nicht so wohl. Nachdem ich eine halbe Stunde auf der Leitplanke sass, ging im Auto vor mir (ein ziemlich dicker Ami-schlitte) ein Fenster runter, und eine junge Dame sprach mich in, sagen wir mal, basic-english an. Im Auto befanden sich 5 junge, offensichtlich Neureiche Chinesen die für einen Tag nach Chengdu gebraust sind. Mit der übersetzerin zu meiner rechten gesellte sich nach und nach der ganze Businhalt wie eine Traube um mich uns herum, und alle wollten wissen wo ich herkam, was ich mache und so weiter. Ich war ganz offensichtlich die Attraktion der Runde, nur getrauten sie sich ihre Neugier zuvor nicht einzugestehen. Bald war ich eingedeckt mit Essen und Trinken und der Busfahrer wollte die Adresse des Hostels wissen, um mich dahin zu fahren. Drei Stunden später bestieg ich als Frischgebackener Lokalstar den Bus, und lernte auch noch gleich wie man sich in China aus der Einfahrt reindrängt. Man fährt einfach solange rechts bis die Strasse zu eng wird und einer Anhalten muss. Ein paar Minuten später sahen wir dan auch die Ursache der Verspätung, 2 Lastwägen sind ineinander gekracht und haben noch zwei Autos mitgenommen. An der Unfallstelle stand der ganze Bus auf um einen Blick zu erhaschen, die Lautstärke stieg massiv an, und man konnte draussen viele Schaulustige, und solche die sich eine „vom Laster gefallene“ Bananenschachtel ergattert haben, sehen. Nach weiteren 6 Stunden Fahrt, wurde ich dann nicht ganz vor dem Hostel, jedoch vor einem Taxi das mich zum Hostel brachte rausgelassen. Aus 9 Stunden wurden somit schnell mal 13.

Cheng'du

7:59 AM Monday, March 8, 2010

Heute habe ich meinen Geburtstag mit Ausschlafen begonnen, und danach mit Gemütlichem erledigen von Dingen wie Zug, Bus und Flugtickets buchen. Dann tat ich das, was ich in einer neuen Stadt am liebsten tue, die Erkundigung zu Fuss. Chengdu scheint eine recht „laid-back“ Stadt zu sein, die grossen Wert auf Sauberkeit legt. Wo man hinschaut ist mindestens eine Offizielle Person am putzen und es stehen viele Abfalleimer bereit, die darauf warten gefüllt zu werden; erstaunlich für eine Stadt mit 11 Millionen Einwohner. Irgendwie hatte ich bis jetzt nie das Gefühl in einer Riesenstadt zu sein hier in China. Schon Yangshuo, das eher den Charakter eines Schweizer Touristen-Alpendorf hatte, war grösser als Zürich. Und hier in Chengdu sind die Boulevards so riesig, dass man die Anzahl Einwohner überhaupt nicht spürt. Bei meinem Spaziergang habe ich bemerkt dass es hier eine Einkaufstrasse für alles gibt: Zum Beispiel eine Strasse mit Elektrokabel, eine Strasse für Gemüse oder für Musikboxen (bis Disco-Grösse), eine Strasse für Glühbirnen, eine Strasse für Landvermessungs-laser (kein Witz, ich habe 28 Läden gezählt) oder Wasserboiler und ja, hinter dem Bahnhof eine Strasse für Sextoys. Die grössten dieser Strassen erstrecken sich ungefähr 1km, und es Reihen sich die Läden dicht an dicht, für das ungeübte Auge mit demselben Inhalt. Ich wohne in der Strasse mit Kochherden in allen Preislagen und Grössen. Auf meinem Erkundigungsgang bin ich zufällig auf eine der Attraktionen der Stadt gestossen. Ein Zen-Tempel mit dem Namen Wenshu Yuan, der letzmals im 17 Jht erneuert wurde. Der Haupttempel ist so gross dass mein Weitwinkel passen musste (konnte nicht weiter zurück). Das innere war prächtig dekoriert und ausgemalt. Im oberen Stockwerk befand sich eine Buddhastatue umgeben von hunderten von kleinen Buddhas in Glaskästen.

Es ist hier sehr angenehm als „reicher“ Europäer durch die Strassen zu gehen. Man wird weder feindselig noch befremdet angestarrt, nein, die höchste Aufmerksamkeit die man kriegt ist ein verstohlen neugieriger Seitenblick, der aber nicht zu Vergleichen ist mit meinen neugierigen Augen, die jeden Winkel absuchen. Und das obwohl man den ganzen Tag durch die Stadt laufen kann ohne einen Nicht-Chinesen zu sehen. Auch fühle ich mich zu jeder Zeit in jedem Quartier sicher, es gab keinen Augenblick in dem ich meine Kamera, die immerhin einem Durschnitts-Chinesen-Jahresgehalt entspricht, lieber versteckt hätte. Eine Ausnahme bildet der Bahnhof von Cheng’du, wo sich auf dem Vorplatz ungefähr 50‘000 Leute drängen.




Guilin

4:36 PM Sunday, March 7, 2010

Ich hatte noch gar keine Zeit, euch ein bisschen von meinem Hotelzimer vorzuschwärmen. Es hat Parkettboden, ein riesengrosses Bett mit weicher warmer Decke, Ein Steinplatten WC mit Bad und warmem Wasser, und ausserdem eine ausgeklügelte Technik mit Licht und allen möglichen Schaltern über dem Bett. Alles schön und gut, das beste und komfortabelste was ich auf meiner Reise je hatte, aber der Preis schlägt alles, 10 Franken die Nacht. Gestern habe ich mit Essen, Boots und Busfahrt und übernachtung 19 Franken ausgegeben, so lässt sichs leben. Und mit Essen mein ich chinesisch Essen, und da ist es unhöflich alles aufzuessen, d.h. die Restaurants tischen soviel auf, dass es unmöglich ist den Teller zu leeren. Das Essen ist allgemein sehr gut, und wenn man sich in kleine Strassenküchen begibt wo viele Einheimische sitzen kann man eigentlich nichts falsch machen. Man zeigt dann entweder auf Bildchen (wenn vorhanden), oder auf einen Teller von jemandem der schon da sitzt, oder manchmal ist die Küche in die Essstube integriert und man kann einfach die Zutaten aussuchen. Gestern sind wir, nach zwei Tage wandern mit einem Fahrrad übers Land geradelt und haben den Moonhill bestiegen, eine Pyramide mit einem Loch drin, und wunderbarem Ausblick über die Gegend. Am Abend haben wir uns dann in einen Bus nach Guilin gesetzt und haben da ein hostel genommen. Heute haben wir einen Ausflug zu einer berühmten Touristenattraktion gemacht (dementsprechend viele chinesische Touris, denen man aber mit ein paar Schritten vom markierten Weg gut entkommen konnnte), den Reisterassen von Longshen. Dies liegt 3 Stunden Busfahrt nördlich von Guilin in den Bergen. Dass muss man sich ungefähr vorstellen wie ein Ausflug von Zürich nach Davos, oder Vals. Erst dann merkt man wie riesig diese Land eigentlich ist, wenn ein Tagesausflug mal gute 5 Stunden Busfahrt zur Folge haben. Dazu muss ich sagen dass das Wetter mittlerweile ziemlich frostig ist, zwar sind es immer noch 16°, doch mit der Feuchtigkeit fühlt es sich an wie bei uns um die 0°. Dementsprechend habe ich die ganze Zeit gefroren und war froh um meine Mütze und meine Handschuhe, die ich eigentlich für den Mt. Kinabalu eingepackt habe. Die Mütze gehörte in den letzten zwei Tagen auch zum Nachtzubehör, da die Häuser sehr schlecht isoliert sind. Die Duschen hingegen funktionieren wie bei uns, ein Strahl heisses Wasser, was für ein Unterschied zu Borneo. Ich habe mich dann von Mira und Ina verabschiedet und mich wieder alleine aufgemacht zum Flughafen, wo ich mich auch noch von der Privinz Guangxi verabschieden sollte. Mein Nächstes Ziel heisst Cheng’du, eine Millionenstadt im Zentrum der Provinz Sichuan am Rande des Tibet. Da die Zugfahrt dahin 26 Stunden dauern würde, habe ich beschlossen heute einen Inlandflug zu nehmen, und da sitze ich nun am Flughafen von Guilin inmitten aufgetakelter Wochenend-Touristen. Ich erwarte Cheng’du noch einiges kühler, wenn dem so ist, muss ich mein Reisegepäck um einen dicke Jacke oder einen dicken Pulli erweitern.







Yangshuo 2

7:00 AM Friday, March 5, 2010











Man beachte die Mädchen, die trotz Wolken probieren sich vor der Sonne zu schützen...

Yangshuo 1

7:00 AM Thursday, March 4, 2010

Die Busfahrt wäre eigentlich komfortabel gewesen, wenn ich über chinesische Ausmasse verfügen könnte, so jedoch musste ich mich ziemlich zusammenrollen. Trotzdem war es irgendwie noch gemütlich, im Bett zu liegen und die Landschaft an einem vorüberziehen lassen. Am Mittag sind wir, nach umsteigen in Guilin, dann in Yangshuo angekommen. Diese malerische, wenn auch ein bisschen touristische Stadt liegt inmitten wunderschöner Karstlandschaft. Heute morgen bin ich mit den beiden Mädels, Mira und Ina losgezogen um den Li River runterzuwandern.

Beim Ausgangsdorf haben wir uns dann noch einem englischen Frührentnerpäärchen erbarmt, und haben uns dann zu fünft auf den Weg gemacht. Die Wanderung führte an traumhaften Kalkformationen vorbei, und im Vordergrund waren kleine Baurndörfchen mit Rapsfelder zu sehen. Am Mittag musste dann ein Huhn für unseren Hunger aufkommen, und ich muss sagen, der Fuss wurde geschmacklich nur noch vom Schnabel übertroffen ;-). Eine Bambusbootsfahrt und gleichzeitig eine Abzocke weiter, haben wir nach 6 stündigem Marsch in einen Bus zurück nach Yangshuo gemacht.








Shenzhen

7:25 AM Wednesday, March 3, 2010

Der erste Eindruck von China. Nachdem ich per Laserpistole an der Stirn die Influenza Kontrolle passiert habe, wurde ich durch ein Schleusensystem durch die Passkontrolle geschleust, in Richtung Grenzstadt Shenzhen. Shenzhen wurde 1979 gegründet, als Kapitalismus Experimentierstadt (nähe zu Hong Kong), und hat heute 14 millionen Einwohner. Die nette Dame wollte wissen, wann mein Passfoto gemacht wurde, da es mir scheinbar überhaupt nicht ähnlich sieht, und hat mich gefragt ob das wirklich mein Pass ist. Als ich zurückgefragt habe ob ich den so schnell gealtert sei, hat sie peinlich berührt schüchtern gelächelt, gemeint, no sir, of course not und hat mich passieren lassen. Die ersten Schritte in China, ich verstand, oder eben nicht, nur chinesisch. Nichts, aber auch gar nichts war in englisch angecschrieben. Zwei deutsche Mädels haben sich neben mir bei einem Polzisten nach dem Bus nach Yangshuo erkundigt. Sie sahen mich und fragten wo ich den hin will, und da dass ungefähr die Richtung war in die ich auch wollte, habe ich mich ihnen angehängt. Bus Ticket gekauft, zu teuer, wie später rausgefunden, der Polizist steckt da wohl mit drin. Wir hatten noch den ganzen Nachmittag Zeit, also haben wir ein bisschen die Stadt erkundigt, und sind mit der U-bahn in einen weitläufigen Park gefahren. Im Park alles sehr schön angelegt, weite Rasenflächen, und Chinesen die offensichtlich ihr liebstes Hobby aussübten, Drachensteigen. Dabei geht es scheinbar darum, einen Riesendrachen (2.5-3m Spannweite) so hoch wie möglich steigen zu lassen, kein Kinderspielzeug.
Meine Schätzung ist 800-1000m, aber seht selbst auf dem Bild. Der Park bot auch noch einen Aussichtspunkt, von dem man die Skyline dieser jungen Stadt bewundern konnte. Einen kurzen Eindruck der Stadt: Von dem was ich gesehen habe, Bahnhof, U-bahn und Park, kann ich sagen ich habe noch nie sowas sauberes und gut organisiertes gesehen wie das. Die haben das komplett im Griff. Auch wenn man keine Chinesischen Zeichen versteht, kann man ohne Probleme per Touchscreen auf die gewünschte Station auf der U-bahnkarte tippen um ein Ticket zu lösen. In der U-bahn dann hunderte von Warnhinweisen, und eine Leuchttafel, wiederum mit dem U-bahnnetz, und wo sich der Zug gerade aufhält. Nach dem Park gings ab zum „Reisebüro“, in welchem wir die Tickets gekauft haben. Nach langem warten haben sie uns zum Busbahnhof geführt, wo unser Bus, wie sich herausgestellt hat, nicht war. Der Typ, der uns um 10 Franken geprellt hat, riess uns dann noch die Tickets aus der Hand und war allgemein ziemlich aggressiv.
Kurzum, ich war froh nicht allein zu sein. Es gab aber immer wieder Chinesen, die ein paar Brocken englisch sprachen und uns mit Händen und Füssen helfen wollten. Wir wurden dann in ein Taxi verfrachtet, und mein Vertrauen sank auf null. Die wilde Taxifahrt durch Shenzhen mussten wir dann aber nicht bezahlen, und zum Glück waren noch zwei Einheimische Mitreisenden dabei die uns versicherten, das alles in Ordnung sei. Jetzt sitze ich also in einem Ausserstädtischen Busterminal, und warte auf meinen Nachtbus.

Hong Kong

9:12 PM Tuesday, March 2, 2010

Hong Kong – wow! Eine wahnsinnige Stadt, Lichter, Flatscreens, den Kapitalismus kann man riechen, sehen, die Leute laufen geschäftig durch die Strasse, alles ist in Bewegung, niemand stoppt. Aber alles von Anfanga an. Dass die Gegend, in der ich wohne berühmt und berüchtigt ist (Nathan Street), wusste ich spätestens nachdem ich ein E-mail von meinem gebuchten Hostel bekommen habe. Diese warnten eindringlich vor Abzockern vor der Chung King Mansion. Was mich aber erwartete, übertraf alles, Inder und Chinesen versuchten mir ihre Karte durch die noch nicht geöffnete Bustür durchzuschieben. Gegen alles gewappnet, lief ich durch sie durch zu dem mir beschrieben Block (30m), in welchem ich nochmals 20m bis zum richtigen Lift zurücklegen musste. Auf diesem Weg probierten 5 Leute, sich für Hostelmanager auszugeben, für das Hostel das ich gebucht habe, der letzte davon im Lift, wollte mich auf den falschen Stock locken. Noch ein kleines Wort zur Chung King Mansion; dieser zwielichtige Block ist Hong Kong’s Zentrum für Budget Unterkünfte, westliche Touristen, Geschäftsmänner aus aller Welt, indische Immigranten und afrikanische Unternehmer bevölkern diesen multikulturellen Mikrokosmos. Im Zimmer (eine Kammer aus Badezimmerplatten, nur 50cm breiter als das Bett) angekommen, war die ganze Szene eher amüsant, und ich war aber trotzdem froh das ich gewarnt wurde. Heute morgen dann, nach ausgiebiger Internet recherche, und der Tatsache das mein Standart-Objektiv einen sehr nervigen Defekt mit dem Stabilisator hat, machte ich mich auf den Weg, ein neues Objektiv für meine Kamera zu ersteigern.
Mit viel Ausdauer und einer Liste mit vertrauenswürdigen Läden lief ich durch die Strassen. Die wohl grösste Ueberaschung war, das alles, was auf der Karte nach einem Halbtagesmarsch aussah in Wirklichkeit nur Meter auseinander liegt. Diese Stadt ist klein, sie ist vielleicht sogar höher als sie breit ist. Was schlussendlich rauskam war ein Sigma 10-20mm Weitwinkel Objektiv. Genial, einfach super, es macht einen Riesenspass mit diesem Objektiv, genau das was ich gesucht habe, und das zum halben Preis verglichen mit Europa. Ich machte mich dann auf um das Museum of Art zu besuchen, das wiederum nur wenige Schritte von meiner Unterkunft liegt. Dort gab es eine eindrückliche Ausstellung über alte, chinesische Accesoires zu sehen. Dies ist für mich besonders interessant da ich gerade einen 600 seitigen Schmöcker über die Geschichte Chinas zu lesen. Diese Geschichte wird noch viel faszinierender wenn man Gegenstände betrachtet, die die Worte aus dem Buch real werden lassen.

Hier im Bild zum Beispiel einer Brosche von 200 vor Christus, zur Zeit als das chinesische Imperium erstmals die heutigen geographischen Ausmasse hatte. Am späten Nachmittag ein ausgedehnter Spaziergang nach Jordan, ein Quartier fest in chinesischer Hand mit allerlei Märkten und winzigen Restaurants, die mir beste Gelegenheit boten mein neues Objektiv ausgiebig zu testen. Das Wetter war den ganzen Tag über bewölkt, deswegen sind alle Wolkenkratzer von einer weissen Schicht verhüllt und ich konnte die berühmte Skyline von Hong Kong Island nur am Abend kurz sehen. Ach ja, habe ich euch schon gesagt das ich mein neues Objektiv liebe....