Der erste Emperor, Qin Shi Huangdi, der mächtigste und brutalste und vielleicht auch genialste und einflussreichste Staatsmann aller Zeiten, steht am Anfang des Staates China. Er war es, der mit nur 13 Jahren den Thron bestieg und binnen 25 Jahren die „kriegerischen Staaten“ eroberte und den Staat China erschuf, Masseinheiten einführte, eine Einheitliche Schrift und strenge Gesetze entwarf, alles, um den Staat so effizient wie möglich zu gestalten. Eine Demonstration dieser Effizienz war die Verbindung einzelner Teilstücke der grossen Mauer zu einem 5000km langen Stück (221 BC) aus heutzutage überirdisch längst erodiertem, gestampftem Lehm. Ein Zeitgenosse, der die Mauer inspizierte, zeigte sich jedoch weitaus beeindruckter von der 850 km lange Strasse zum Bau der Mauer, die technisch aufwändiger war als die Mauer selbst.$
Ein weiterer Zeitgenosse von Qin Shi Huangdi, Sima Quin, war es auch, der das Mausoleum desselben in ausgeschmückten Worten beschreibt: “Die äussere Schicht des Grabes wurde vollständig mit Bronze umhüllt, während das innere Grab mit Replikaten von Schlössern und Palästen, von Aussichtstürmen und Offiziellen gefüllt wurde. Hunderte von Flüssen wurden mit Silber nachgebildet, in einer Art und Weise dass man den Eindruck hat sie fliessen. Mit Edelmetall wurde der Himmel und die Erde nachgebildet, und die Lampen wurden mit öl gefüllt, so dass sie bis in alle Ewigkeit brennen. Das Grab wurde vollständig mit Selbsschussanlagen abgesichert, und 700‘000 Arbeiter waren an dessen Ausarbeitung beteiligt.“ Diese Beschreibung wurde bis ins Jahr 1974 als schiere übertreibung angesehen. In diesem Jahr jedoch hat man die Terracotta Armee endeckt. Die Terracotta Armee, Chinas beliebteste und bekannteste Touristenattraktion, ist jedoch mit ihren bisher augegrabenen 8000 lebensgrossen und lebensechten Nachbildung von Soldaten allerhöchstens die Vor-Vorkamer des eigentlichen Grabes des ersten Emperor, und wird von Sima Quin nicht einmal als erwähnenswert geachtet. Das Grab von Qin Shi Huangdi wurde mittlerweile in 1.5 km Enfernung zur Terracotta Armee identifiziert, und Sonar und andere Messungen haben einen massiven Metallgehalt festgestellt. Die Errichtung des Grabes begann, als Qin Shi den Thron bestieg und seine Fertigstellung dauerte 38 Jahre. Die ganze Grabanlage besitzt die Ausmasse von 56 km2, und bisher wurden 600 Probegrabungen getätigt, bei denen man über 50‘000 Objekte entdeckt hat. Es wird geglaubt, dass der Emperor den gesamten Palast und Teile der Stadt unterirdisch Nachbauenn, und sie mit Bronze und Tonstatuen bevölkern liess. Das Grab selbst ist aber bis heute nicht geöffnet, offiziell um bessere archäologische Mittel zur Erhaltung abzuwarten. Wenn man bedenkt, dass sogar in der Haupthalle der Terracotta Armee, die man besichtigen kann, bisher nur die Hälfte Ausgegraben ist, versteht man aber auch wieso das Grab selber noch unberührt ist. Es bräuchte wohl eine Qin Shi Armee von Archäologen um die Ausgrabungen in nützlicher Zeit fertig zu stellen. Der allergrösste archäologische Fund der Menschheitsgeschichte steht uns möglicherweise noch bevor!
Um zur Terracotta Armee zu gelangen, muss man erstmal eine Stunde Bus fahren. Damit ist es aber nicht getan; alle Touristen werden durch eine Strasse gelotst, deren einziger Zweck es ist, teures Essen und Souvenirs an den Mann zu bringen. Es ist ein magischer Moment, wenn man Halle 1 betritt, und diese finstere Armee dastehen sieht, in Auftrag gegeben von einem schrecklichen Diktator, unter der Erde für 2200 Jahre, eigentlich dazu bestimmt nie das Sonnenlicht zu sehen. Im Museum sind noch Bronzestatuen von ganzen Pferdekutschen und andere Metall und Lehmfiguren aus Testgrabungen der einzelnen Gruben Ausgestellt. Die Bronzestatuen sind unglaublich detailiert und aufwändig hergestellt. Alle Terracotta Krieger trugen Waffen und waren mit Lederausrüstung bekleidet. Einzelne Waffen sind auch im Museum zu bestaunen. Erstaunlicherweise sind einzelne Schwerter nicht von Korrosion beeinträchtigt. Die Forschung hat ergeben, dass zur Zeit des Emperors Anti-Korrosionsbeschichtung benutzt wurde, die 2000 Jahre später auch von Deutschland und Amerika entwickelt wurde. Wie sie das gemacht haben ist bis heute nicht bekannt. Die Figuren waren auch alle mal bemalt, die Farbe ist aber in zwei Jahrtausenden abgebröckelt. Definitiv ein Highlight jeder Chinareise.





Am Abend wurde ich noch von meiner Autobahnbekanntschaft und ihrem Freund zum Essen eingeladen, ich durfte nichte einmal das Taxi bezahlen.