Die Terracotta Armee
11:00 PM Friday, March 12, 2010Der erste Emperor, Qin Shi Huangdi, der mächtigste und brutalste und vielleicht auch genialste und einflussreichste Staatsmann aller Zeiten, steht am Anfang des Staates China. Er war es, der mit nur 13 Jahren den Thron bestieg und binnen 25 Jahren die „kriegerischen Staaten“ eroberte und den Staat China erschuf, Masseinheiten einführte, eine Einheitliche Schrift und strenge Gesetze entwarf, alles, um den Staat so effizient wie möglich zu gestalten. Eine Demonstration dieser Effizienz war die Verbindung einzelner Teilstücke der grossen Mauer zu einem 5000km langen Stück (221 BC) aus heutzutage überirdisch längst erodiertem, gestampftem Lehm. Ein Zeitgenosse, der die Mauer inspizierte, zeigte sich jedoch weitaus beeindruckter von der 850 km lange Strasse zum Bau der Mauer, die technisch aufwändiger war als die Mauer selbst.$
Ein weiterer Zeitgenosse von Qin Shi Huangdi, Sima Quin, war es auch, der das Mausoleum desselben in ausgeschmückten Worten beschreibt: “Die äussere Schicht des Grabes wurde vollständig mit Bronze umhüllt, während das innere Grab mit Replikaten von Schlössern und Palästen, von Aussichtstürmen und Offiziellen gefüllt wurde. Hunderte von Flüssen wurden mit Silber nachgebildet, in einer Art und Weise dass man den Eindruck hat sie fliessen. Mit Edelmetall wurde der Himmel und die Erde nachgebildet, und die Lampen wurden mit öl gefüllt, so dass sie bis in alle Ewigkeit brennen. Das Grab wurde vollständig mit Selbsschussanlagen abgesichert, und 700‘000 Arbeiter waren an dessen Ausarbeitung beteiligt.“ Diese Beschreibung wurde bis ins Jahr 1974 als schiere übertreibung angesehen. In diesem Jahr jedoch hat man die Terracotta Armee endeckt. Die Terracotta Armee, Chinas beliebteste und bekannteste Touristenattraktion, ist jedoch mit ihren bisher augegrabenen 8000 lebensgrossen und lebensechten Nachbildung von Soldaten allerhöchstens die Vor-Vorkamer des eigentlichen Grabes des ersten Emperor, und wird von Sima Quin nicht einmal als erwähnenswert geachtet. Das Grab von Qin Shi Huangdi wurde mittlerweile in 1.5 km Enfernung zur Terracotta Armee identifiziert, und Sonar und andere Messungen haben einen massiven Metallgehalt festgestellt. Die Errichtung des Grabes begann, als Qin Shi den Thron bestieg und seine Fertigstellung dauerte 38 Jahre. Die ganze Grabanlage besitzt die Ausmasse von 56 km2, und bisher wurden 600 Probegrabungen getätigt, bei denen man über 50‘000 Objekte entdeckt hat. Es wird geglaubt, dass der Emperor den gesamten Palast und Teile der Stadt unterirdisch Nachbauenn, und sie mit Bronze und Tonstatuen bevölkern liess. Das Grab selbst ist aber bis heute nicht geöffnet, offiziell um bessere archäologische Mittel zur Erhaltung abzuwarten. Wenn man bedenkt, dass sogar in der Haupthalle der Terracotta Armee, die man besichtigen kann, bisher nur die Hälfte Ausgegraben ist, versteht man aber auch wieso das Grab selber noch unberührt ist. Es bräuchte wohl eine Qin Shi Armee von Archäologen um die Ausgrabungen in nützlicher Zeit fertig zu stellen. Der allergrösste archäologische Fund der Menschheitsgeschichte steht uns möglicherweise noch bevor!
Um zur Terracotta Armee zu gelangen, muss man erstmal eine Stunde Bus fahren. Damit ist es aber nicht getan; alle Touristen werden durch eine Strasse gelotst, deren einziger Zweck es ist, teures Essen und Souvenirs an den Mann zu bringen. Es ist ein magischer Moment, wenn man Halle 1 betritt, und diese finstere Armee dastehen sieht, in Auftrag gegeben von einem schrecklichen Diktator, unter der Erde für 2200 Jahre, eigentlich dazu bestimmt nie das Sonnenlicht zu sehen. Im Museum sind noch Bronzestatuen von ganzen Pferdekutschen und andere Metall und Lehmfiguren aus Testgrabungen der einzelnen Gruben Ausgestellt. Die Bronzestatuen sind unglaublich detailiert und aufwändig hergestellt. Alle Terracotta Krieger trugen Waffen und waren mit Lederausrüstung bekleidet. Einzelne Waffen sind auch im Museum zu bestaunen. Erstaunlicherweise sind einzelne Schwerter nicht von Korrosion beeinträchtigt. Die Forschung hat ergeben, dass zur Zeit des Emperors Anti-Korrosionsbeschichtung benutzt wurde, die 2000 Jahre später auch von Deutschland und Amerika entwickelt wurde. Wie sie das gemacht haben ist bis heute nicht bekannt. Die Figuren waren auch alle mal bemalt, die Farbe ist aber in zwei Jahrtausenden abgebröckelt. Definitiv ein Highlight jeder Chinareise.





Am Abend wurde ich noch von meiner Autobahnbekanntschaft und ihrem Freund zum Essen eingeladen, ich durfte nichte einmal das Taxi bezahlen.
"Am Abend wurde ich noch von meiner Autobahnbekanntschaft und ihrem Freund zum Essen eingeladen, ich durfte nichte einmal das Taxi bezahlen"
haha```Wir tun dies, finden sie es nicht seltsam?
nannan March 13, 2010 at 7:10 PM
Wieso mag niemand meine Terracotta Armee, ist mein Lieblingsnbeitrag bis jetzt!
Raph March 15, 2010 at 1:21 AM
Looking at these exquisite figures I am confronted again by the vanity and egotism in human nature. All this amount of labor and time invested in constructing them!
A terracotta army of compliments for your blog so far!
Lilli March 15, 2010 at 2:34 AM
Ich liebe Deine Terracottaarmee! hatte nur bisher keine Zeit, den ganzen Text in Ruhe zu lesen. Hab es mir als Zückerchen für Lilianas Mittagsschlaf aufgehoben.
Das ist wahrlich eine Geschichte zum Träumen, wie gerne würde ich dort versunkene Schätze ausgraben!
Mit Ausgraben allein ist es nur leider nicht mal getan - Beispiel Pompeji, wo die ausgegrabenen Gebäude langsam vor die Hunde gehen, denn die Instandhaltung verschlingt horrende Summen ...
Toll diese stämmigen Pferdchen mit Zaumzeug, das wir heute noch fast genauso benutzen, auch da gab es wohl nicht viel zu verbessern.
Poh, bin ich neidisch auf Dich!!!
Noemi March 15, 2010 at 5:32 AM
Was haben eigentlich die Wälle zwischen den Reihen zu bedeuten? Gibt es da auch noch mehr auszugraben?
Noemi March 15, 2010 at 5:40 AM
70209Ich bin zwar nicht sehr großes Interesse an Erbes, aber ich liebe Terrakotta-Krieger Terrakotta-Krieger und Pferde sind unsere Ehre ah ah! Unterstützen Sie dabei!
nannan March 15, 2010 at 8:08 AM
Ich finde deine Schilderungen in Kombination mit den schönen Bildern einfach fantastisch und sehr lehreich. Es ist ganz super die vielen Hintergrundinformationen zu lesen, aber man muss sich auch richtig dafür Zeit nehmen, so auf die Schnelle geht es gar nicht.
Also von "Nichtmögen" keine Spur!!!
Unknown March 15, 2010 at 1:52 PM
Ok, ihr habt nur ein bisschen Zeit gebraucht um zu lesen. Da bin ich aber froh, dass meine treusten Leser nicht ausgestiegen sind. Man gewöhnt sich eben an die netten Kommentare ;-)
Die Wände sind Wände, dass ganze wurde zwar unterirdisch gebaut, danach aber überdacht,, und um die Einstürzgefahr zu vermindern, wurden die Räume eng gebaut. Aber weiter hinten im Hangar gibts noch Gruben, wo man nur die Wände sieht, aber noch nichts ausgegraben ist. Ich denke ein Grund dafür ist die Instandhaltung.
Raph March 16, 2010 at 7:43 AM
Ach ja, die Pferde, unglaublich Detailgetreu, aus Bronze hergestellt. Es hatte noch andere Pferdekutschen ausgestellt gehabt, sie waren noch schöner, aber zuviele Leute für ein gutes Foto.
Raph March 16, 2010 at 7:44 AM