Nachdem der gestrige Tag so ziemlich für Zahnarztbesuch (eigentlich war es ein Zahnarztspital) draufgegangen ist, was an und für sich schon ein Abenteuer war, wollte ich heute wieder was richtiges erleben. Nach einer 2 Stunden Busfahrt südlich von Chengdu, dass ich im Gespräch mit einem englischen Päärchen in meinem Alter verbrachte, beschlossen wir, den Grossen Buddha (Welt UNESCO Erbe) gemeinsam zu besichtigen. Dieser 71m hohe und 1200 Jahre alte sitzende Buddha ist von einem weitläufigen Park umgeben, der sehr schön angelegt ist und in dem es seinerseits viele Dinge zu entdecken gab. Unter anderem in Stein gemeisselte, originalgrosse Buddhareplikate aus ganz China, ausgegrabene Artefakten, Gräber und ein Tempel. Der Buddha selbst ist sehr beeindruckend, und wie ihr seht kann ich nicht einmal seine Zehen kitzeln. Er wurde seinerzeit errichtet um die Götter gnädig zu stimmen, damit sie den Flusslauf bändigen. Gut, dass das Abtragen der riesigen Steinmenge in den Fluss den Lauf tatsächlich gebändigt hat! Dies war der erste Tag seit ich in China bin, an dem die Sonne geschienen hat.


Da der Zug ausgebucht, und der Flug zu teuer war, beschloss ich mit dem Bus von Chengdu nach Xi’an zu fahren. Vorgeschlagen waren 9 Stunden, und die Fahrt ging mit einer Stunde Verspätung los. Da die Chinesen absolut reiseuntauglich sind, mischte sich die Spucke in den Spucknäpfen auf dem Gang schon schnell mal mit Erbrochenem. Nach 4 Stunden Fahrt mit erstaundlicher Landschaft, riesigen Fabrikhallen und Autobahnbaustellen die ganze Täler ausfüllten, nahm die Fahrt ein jehes Ende; stehende Kolonne. Der Busfahrer fackelte nicht lange, kehrte auf kriminelle Art und Weise auf der Bergschnellstrasse um, und ging bei der nächsten Einfahrt raus, jawohl, Einfahrt. Dies ging natürlich nicht lange gut, und schon schnell waren wir von hupenden Lastwägen und Autos umzingelt. Nach Rückwartsmanöver und quer auf der Schnellstrasse stehen zwecks Einspuren in die Ausfahrt, gelangten wir per Landweg und Schritttempo (da entgegenkommen Lastwagen) zur nächsten Einfahrt. Leider war diese nicht nach der Ursache des Staus, sondern ebenfalls zuvor, mitten in die stehende Kolonne. Ok, alles Austeigen und Pause auf unbekannte Zeit. Alle Chinesen, die vorher schon kreuz und quer durch den Bus diskutiert haben, schlugen jetzt ihre Zelte auf. Schnell fanden sich Einheimische die die Gunst der Stunde nutzten um Nudeln zu verkaufen Ein paar Mitreisende machten chinesische Sprüche meinerseits, das von Gelächter begleitet wurde. Ich fühlte mich ehrlich gesagt nicht so wohl. Nachdem ich eine halbe Stunde auf der Leitplanke sass, ging im Auto vor mir (ein ziemlich dicker Ami-schlitte) ein Fenster runter, und eine junge Dame sprach mich in, sagen wir mal, basic-english an. Im Auto befanden sich 5 junge, offensichtlich Neureiche Chinesen die für einen Tag nach Chengdu gebraust sind. Mit der übersetzerin zu meiner rechten gesellte sich nach und nach der ganze Businhalt wie eine Traube um mich uns herum, und alle wollten wissen wo ich herkam, was ich mache und so weiter. Ich war ganz offensichtlich die Attraktion der Runde, nur getrauten sie sich ihre Neugier zuvor nicht einzugestehen. Bald war ich eingedeckt mit Essen und Trinken und der Busfahrer wollte die Adresse des Hostels wissen, um mich dahin zu fahren. Drei Stunden später bestieg ich als Frischgebackener Lokalstar den Bus, und lernte auch noch gleich wie man sich in China aus der Einfahrt reindrängt. Man fährt einfach solange rechts bis die Strasse zu eng wird und einer Anhalten muss. Ein paar Minuten später sahen wir dan auch die Ursache der Verspätung, 2 Lastwägen sind ineinander gekracht und haben noch zwei Autos mitgenommen. An der Unfallstelle stand der ganze Bus auf um einen Blick zu erhaschen, die Lautstärke stieg massiv an, und man konnte draussen viele Schaulustige, und solche die sich eine „vom Laster gefallene“ Bananenschachtel ergattert haben, sehen. Nach weiteren 6 Stunden Fahrt, wurde ich dann nicht ganz vor dem Hostel, jedoch vor einem Taxi das mich zum Hostel brachte rausgelassen. Aus 9 Stunden wurden somit schnell mal 13.

Busabenteuer geben doch (im Nachhinein) immer eine herrliche Story ab! Ich hab mich bestens amüsiert *grins*
Es scheint, dass die Chinesen in der Auslegung der Strassenverkehrsregeln die Nepali locker toppen (Einfahrt, also wirklich!) - frag nur nie einen Fahrer, ob er einen Führerschein besitzt ... aber hey, offensichtlich hat es ja Leitplanken :-)
Noemi March 12, 2010 at 2:21 AM
More of a Local Hero i'd say! Never underestimate the long-hours great-fun you can have, even if you don't get all the details!
And actually, if you weren't such an expert in photo processing, i would have thought this sitting Buddha is an actual gigantic one!
:)
Lilli March 12, 2010 at 2:01 PM