Danum Valley
1:38 AM Thursday, February 25, 2010Danum Valley – ein 483km2 grosser, primärer Regenwald, umgeben von 10000km2 mehr oder weniger geschützte Fläche, welche auch einen wichtigen link zum Maliau-Basin herstellt. Das Legendäre Maliau-Basin wurde das erste mal 1982 (ob es von Ureinwohnern besucht wurde oder nicht ist nicht bekannt) vom Menschen betreten, und deshalb auch zurecht The lost World genannt. Um dahin zu gelangen, muss man ziemlich tief ins Portemonnaie greifen, also keine alternative für mich. Noch kurz ein Wort zum umgebenden Wald: Die ganze Fläche wird von einer halbstaatlichen Gesellschaft gemanaged, und in dieser Zone wird zum Teil extensiv geholzt und Palmöl angebaut. Um euch ein kleines Bild zu verschaffen was zum Beispiel aus der „reduced impact logging area“ rausfährt, habe ich auf dem Hinweg ein Bild aus dem Minivan gemacht (Bild 1). Ironischerweise werden die geschützten Flächen teilweise durch Gelder aus dieser Kommerzialisierung des Waldes finanziert. Zusammengefasst, um zum Danum Valley field center zu gelangen, muss man als normalsterblicher X Formulare ausfüllen, drei Sicherheits-checkpoints durchfahren und auf die Bibel schwören dass man nichts aus dem Wald mitnimmt, während logging-trucks vollbeladen aus dem Gebiet rausfahren.

Das Danum Valley field center befindet sich am Rand der geschützten Zone, und doch, auf dem Weg dahin sieht man doch hauptsächlich Wald links und rechts. Es fängt dann schon an zu kribbeln wenn man die Urwalriesen sieht, und die Vorfreude wächst mit jedem Kilometer. Am Abend kurz vor dem Eindunkeln dann das ersehnte Schild: Danum Valley field center (Bild 2), und eine beeindruckende Geräuschkulisse, auf die ich noch weiter unten zurückkomme.

Am nächsten morgen konnte ich eine Familie Red leaf monkey (Bild 3) beim Blätterfrühstück beobachten. Diese Aeffchen mit dem Wuschelkopf möchte man am liebsten nach Hause nehmen. Danach habe ich mich auf eine Tour um das Center gemacht, habe eine Baumplattform bestiegen (Bild 4), und bei Plattform eins auf 25 meter das Muffensausen bekommen. Also zurück, noch einen Aussichtsturm bestiegen und dann Mittagessen.
Am Nachmittag beschloss ich auf einen Trail in die tiefe des Regenwaldes zu gehen. Den Guide habe ich mir gespart, da dass ganze Arrangement sowieso nicht ganz billig war, und so machte ich mich, ausgerüstet mit Taschenlampe (für eventuelle Fälle), Taschenmesser usw auf in den Dschungel. Die Wegmarkierungen, die mich anfangs auf besseren Wegen noch gestört haben, erwiesen sich je länger desto mehr als absolut notwendig, man konnte sehen (oder eben nicht sehen), dass auf diesen Wegen schon einige Zeit niemand mehr vorbeigekommen ist.
Nach einer Stunde Fussmarsch endlich dann auch ein Tier dass man nicht nur hört, sondern auch sieht. Ein scheues Muntjak (ein mini-Reh, Bild 5) rannte vor meinen Gehgeräuschen davon. In weiser voraussicht habe ich die Kamera schon auf schlechte Lichtverhältnisse eingestellt so das ich das 25m weit entfernte Tier noch erwischen konnte. Danach wurde der Weg wieder breiter, und es häuften sich Elephantendung und Elefantenfussabdrücke. Ein Orang Utang Schädel (Bild 6) weiter hatte ich langsam wirklich das schleichende Gefühl, tief im Wald zu stecken, und eigentlich gar keine Lust mehr auf eine Elephantendame mit Kalb zu treffen.
Schmetterlinge (Bild 7,8) flatterten zuhauf durch die Gegend, wieder in allen grössen und Farben, und wenn sie dann mal für zwei Sekunden absassen, dann bestimmt unerreichbar in irgend einem Baum. Nach 4 Stunden Marsch dann wieder zurück im Zentrum, 2 Stunden schneller als auf der Karte vorgeschlagen. Der Regenwald an und für sich ist am Boden gar nicht so attraktiv, und man hört zwar sehr viele Tiere, doch zu sehen bekommt man sie nicht, das gilt insbesondere für Vögel.

Es war aber schon ein einmaliges Gefühl durch echten, ursprünglichen Regenwald zu laufen, auch dass Gefühl in endloser ferne zur nächsten Zivilisation zu sein. Was ich dann erst später im Gespräch mit anderen herausgefunden habe ist dass hinter dem Haus am morgen Orang Utans und Gibbons zu beobachten gewesen wären, sowie am Abend zuvor „slow Loris“ (http://en.wikipedia.org/wiki/Slow_loris), dessen verpassen ich am meisten bereut habe.
Eines der spektkulärsten Naturschauspiele das ich je erlebt habe ist die Geräuschkulisse vor dem Eindunkeln. Es muss eine Art Insekt sein, die den ganzen Wald mit sirenenartigen Lauten erfüllt. Hundertfach, von allen Seiten, ein irrwitziges Konzert. Ganz anderst präsentiert sich derselbe Wald am morgen, da übernehmen die Vögel das Zepter und pfeifen um die Wette. In einem kleinen Video habe ich die Geräusche morgens, mittags und abends probiert aufzunehmen, damit ihr einen, zwar denkbar bescheidenen, Eindruck bekommt. Der erste und der letzte Teil (Morgen, Abend) sind an derselben Stelle aufgenommen, es hört sich jedoch an wie auf einem anderen Kontinent. Beim mittleren Teil (Mittags) war ich auf meiner Wanderung und habe als representatives Geräusch eine Affenbande aufgenommen. Also, Lautsprecher ein oder Kopfhörer auf, und reinhören.Auf zu neuen Ufern
In Lahad Datu angekommen, Flug nach KK zu teuer, ein paar Hostels ausgecheckt und dann irgendwie keine Lust auf diese Stadt, also auf zum Bas (richtig geschrieben!) Terminal, und wie eigentlich immer habe ich nicht länger als 10min auf den nächsten Langstreckenbus gewartet. Und diese 10min habe ich dann wie immer genutzt um noch Reis mit irgendwas an einem der Stände zu essen. So langsam lasse ich mich nicht mehr von aufdringlichen Taxifahrern oder sonstigen Leuten, die auf Geld aus sind aus der Ruhe bringen, und fühle mich somit bereit für das Abenteuer China, wo man laut berichten von anderen Reisenden teilweise ziemlich bedrängt wird. Lächeln, „thank you“ und durch, oder einfach ein bestimmtes „Nein, das ist zu teuer, um die Ecke krieg ich das für die Hälfte“ kann helfen. Jedenfalls bin ich jetzt auf dem Weg nach Sandakan, wo ich noch einmal eine nostalgische Nacht in Uncle Tan’s B&B verbringen werde (freu, freu).

Oh, schon so bald fertig Borneo!? Wann fliegst Du denn weiter?
Liliana möchte später einmal Regenwaldforscherin werden, ihr hat das Video mit den Geräuschen enorm gut gefallen (vor allem die Affen). Ist aber auch wirklich faszinierend.
War das denn eine Forschungsstation, wo Du warst - d.h. es waren auch andere Forscher anwesend?
Noemi February 26, 2010 at 5:50 AM
Ja, leider ist die Zeit in Borneo schon vorbei. ch fliege übermorgen nach Hong Kong. Das war eine Forschungsstation, habe aber nicht viel Forscher getroffen da. Man kann glaube ich auch als stinknormaler Touri hinkommen, es ist einfach nicht so bekannt. Ich selber konnte mich da frei nach Lust und Laune bewegen.
Raph February 26, 2010 at 6:13 AM