Die Stadt Chengde wurde im 17. Jahrhundert von Kaiser Kangxi wegen seiner im Sommer angenehm kühler Temperatur endeckt. Er liess einen riesigen Palast errichten, dessen eingemauerte Fläche 5.6km2 umfasst und mit Pavillons und künstlichen Seen angefüllt ist. Ein Teil davon umfasst auch noch eine Hügellandschaft wo man jagen konnte. Nördlich und östlich dieses Palastes findet man 8 Tempelanlagen, die an einen religiösen Themenpark erinnern, was dem eigentlichen Grund der Errichtung ziemlich nahe kommt. Wegen anhaltender Probleme mit aufsässigen Minoritäten im Reich liess der Kaiser alle Religionen gutheissen und mit die Tempelanlagen hatten den Zweck, dass sich die Gesandten aus allen Ecken Chinas heimisch fühlen sollten. So findet man vom wunderschönen Putuozongcheng Miao Tempel, der dem Potala-Palast in Lhasa nachempfunden ist bis zum mongolischen Puning Si, der die grösste Holzstatue der Welt beherbergt (23m), alle möglichen Stil- und Religionsrichtungen.
So erwartete ich gestern während der Anreise per Zug (den ich fast verpasst habe, aber das ist eine andere Geschichte, die mit Engländer und Bier zu tun hat) eine gemütliche Kleinstadt, und wurde herbe entäuscht. Das gibt es hier einfach nicht, die Stadt hat eine halbe Million Einwohner und ist hässlich wie keine zuvor. Frühmorgens machte ich mich dann heute auf, und ging, nach einer sättigenden Omelette mit Frühlingszwiebeln schnurstracks in den Palastpark. Dort waren schon einige Leute unterwegs, die meisten mit irgendeiner Sportart beschäftigt, von Kung Fu bis Diavolo oder einfach nur Jogging (Video). Es gab auch noch wilde Hirsche, Fasane und andere Vögel. Trotzdem ist dieser Park wohl eher was für die Sommermonate, denn der nördliche, wilde Teil war wegen Brandgefahr gesperrt, und es war ziemlich kalt. Danach nahm ich ein Taxi um mir die Tempel nördlich des Parks anzusehen. Diese sind allesamt wunderschön. Der beste Teil war aber, das ich beschloss die gegnüberliegenden Hügel, wo die nördliche Mauer des Parks zu sehen war, zu besteigen. Also ab durch den Wald und hoch zur Mauer, von oben hatte man einen irrsinns Ausblick auf den Putuozongcheng Miao Tempel, und es gab eine Stelle, wo man die Parkmauer hochklettern konnte, und schon befand ich mich im abgesperrten nördlichen Teil des Parks. Wunderbarer Sonnenschein, eine Mauer auf der Bergkuppe, kein Mensch weit und breit, ein fantastischer Ausblick, ich wusste nun wieso der Kaiser die Mauer und die Tempel gebaut hat - wahrscheindlich mein schönster Moment in China. Danach eine kleine Wanderung zum Puning Si Tempel, mit der riesiegen Holzstatue und einem nicht weniger beeindruckenden rieseigen Tempel (Bild). Vom Sandsturm habe ich hier im Norden nichts gemerkt, ausser dass alles mit einer Staubschicht bedeckt war. Morgen gehe ich wider nach Beijing, und habe mir schon vorsorglich eine Gesichtsmaske gekauft.






Cooler Film :-) und Danke für die ausführlichen Hintergrundinfos, macht Spass!
Noemi March 22, 2010 at 3:26 AM
Wieder sehr interessante Ausführung und toll mit Bild und Filmmaterial dokumentiert.
Bei uns wird es langsam aber sicher nun wirklich Frühling. Erste Schmetterlinge fliegen und die Frühblüher erfreuen uns mit ihren schönen Farben
Unknown March 22, 2010 at 5:21 AM