Heute habe ich meinen Geburtstag mit Ausschlafen begonnen, und danach mit Gemütlichem erledigen von Dingen wie Zug, Bus und Flugtickets buchen. Dann tat ich das, was ich in einer neuen Stadt am liebsten tue, die Erkundigung zu Fuss. Chengdu scheint eine recht „laid-back“ Stadt zu sein, die grossen Wert auf Sauberkeit legt. Wo man hinschaut ist mindestens eine Offizielle Person am putzen und es stehen viele Abfalleimer bereit, die darauf warten gefüllt zu werden; erstaunlich für eine Stadt mit 11 Millionen Einwohner. Irgendwie hatte ich bis jetzt nie das Gefühl in einer Riesenstadt zu sein hier in China. Schon Yangshuo, das eher den Charakter eines Schweizer Touristen-Alpendorf hatte, war grösser als Zürich. Und hier in Chengdu sind die Boulevards so riesig, dass man die Anzahl Einwohner überhaupt nicht spürt. Bei meinem Spaziergang habe ich bemerkt dass es hier eine Einkaufstrasse für alles gibt: Zum Beispiel eine Strasse mit Elektrokabel, eine Strasse für Gemüse oder für Musikboxen (bis Disco-Grösse), eine Strasse für Glühbirnen, eine Strasse für Landvermessungs-laser (kein Witz, ich habe 28 Läden gezählt) oder Wasserboiler und ja, hinter dem Bahnhof eine Strasse für Sextoys. Die grössten dieser Strassen erstrecken sich ungefähr 1km, und es Reihen sich die Läden dicht an dicht, für das ungeübte Auge mit demselben Inhalt. Ich wohne in der Strasse mit Kochherden in allen Preislagen und Grössen. Auf meinem Erkundigungsgang bin ich zufällig auf eine der Attraktionen der Stadt gestossen. Ein Zen-Tempel mit dem Namen Wenshu Yuan, der letzmals im 17 Jht erneuert wurde. Der Haupttempel ist so gross dass mein Weitwinkel passen musste (konnte nicht weiter zurück). Das innere war prächtig dekoriert und ausgemalt. Im oberen Stockwerk befand sich eine Buddhastatue umgeben von hunderten von kleinen Buddhas in Glaskästen.
Es ist hier sehr angenehm als „reicher“ Europäer durch die Strassen zu gehen. Man wird weder feindselig noch befremdet angestarrt, nein, die höchste Aufmerksamkeit die man kriegt ist ein verstohlen neugieriger Seitenblick, der aber nicht zu Vergleichen ist mit meinen neugierigen Augen, die jeden Winkel absuchen. Und das obwohl man den ganzen Tag durch die Stadt laufen kann ohne einen Nicht-Chinesen zu sehen. Auch fühle ich mich zu jeder Zeit in jedem Quartier sicher, es gab keinen Augenblick in dem ich meine Kamera, die immerhin einem Durschnitts-Chinesen-Jahresgehalt entspricht, lieber versteckt hätte. Eine Ausnahme bildet der Bahnhof von Cheng’du, wo sich auf dem Vorplatz ungefähr 50‘000 Leute drängen.



Keine Ahnung wo im Reich der Mitte dieses Cheng'du liegt, aber was Du beschreibst, klingt spannend. Die Monokultur in den Einkaufstrassen ist ja witzig :-) so was wäre bei uns ja undenkbar. Man stelle sich vor ich würde eine Bäkerei direkt neben einer schon bestehenden aufmachen - eine Katastrophe!
Wie ist denn eigentlich das Reisen in China? Um die Zeit der olympischen Spiele waren die Reisenden ziemlichen Schikanen von Seiten der Regierung ausgesetzt. Spürst Du da noch was davon?
Und, last but not least, viel Glück zum Geburtstag - gönn Dir ein bisschen Luxus! :-)
Noemi March 9, 2010 at 1:11 AM
Das liegt ziemlich in der Mitte des Reiches der Mitte (http://de.wikipedia.org/wiki/Chengdu. Das Reisen ist überhaupt kein Problem, wenn man ein Ticket hat. Das nicht nur wegen der Sprachbarriere, weil 99% aller Chinesen kein (!) Wort Englisch verstehen, nicht einmal Hi, sondern auch weil die Chinesen viel Reisen, und immer irgendwelche komischen holidays sind. D.h. wenn man nicht früh genug bucht, gibts nix mehr zu buchen. Um ein Ticket zu kriegen hat man aber alleine fast keine Chance. Zum Glück bieten die meisten Jugendherbergen und Hotels einen Service, bei dem man das Ticket bestellen und ins Zimmer liefern lassen kann, meistens für einen Aufpreis von 3-5 CHF. Wenn man das Ticket einmal in der Hand hält, ist das Reisen ziemlich einfach und komfortabel.Von Schikanen oder Staatsgewalt ist hier ziemlich wenig zu spüren. Es steht oft Polizei rum, aber bei so einer Menschenmasse ist das nur normal, ubd ich habe sie noch nie irgendetwas tun sehen als rumstehen. Die Verkehrsregeln werden hier individuell ausgelegt, d.h. rot ist nicht unbedingt rot, was aber gut funktioniert und auch dem Fussgänger entgegenkommt. Es wird ständig und überall gehupt, dass aber nur um auf sich aufmerksam zu machen, im Gegensatz zur Schweiz, wo die Hupe benuzt wird um auf die Fehler anderer Aufmerksam zu machen. Danke für die Glückwünsche.
Raph March 9, 2010 at 1:30 AM