Von Matsue nach Tsuwano geht es 3 Stunden an der Küste südwärts. Zerklüftete Felsen im Meer, verschlafene Fischerdörfchen, weisse Sandstrände und wilde Buchten; ich liebe den Railpass. In Tsunawo angekommen, fand ich mich in einem 9000 Seelendorf, wo man nicht mal an der Touristeninformation ein Wort Englisch spricht. Wirklich alles war in japanisch angeschrieben, und ich fühlte mich, dank der unfähigkeit der Japaner zur Handkommunikation, hilfloser als in China. Ich hatte unglaublich wenig Lust da zu Übernachten, deshalb schloss ich mein Gepäck in ein Schliessfach am Bahnhof und erkundigte das Dorf zu Fuss. Ein sehr hübsches Dorf, muss man sagen. Neben der Haupstrasse schwimmen oberschenkelgrosse Karpfen in den Kanälen, die die Anzahl Einwohner wohl locker überschreitet. Die Hügel, die das Tal flankieren erinnern, mal abgesehen von den allgegenwärtigen Bambuswäldern, stark an den Jura, und auf einem von ihnen stand einstmals ein Schloss, von dem jedoch nur noch die Grundmauern zu sehen ist. Diese erreicht man ziemlich einfach über einen, sagen wir mal putzigen Einer-Sessellift, dessen Maximalhöhe ein Meter über dem Boden ist, und dessen Geschwindigkeit es erlaubt, dass jeder Sitz vor dem hinsetzen vom Liftwart abgewischt werden kann. Auf dem Hügel fand ich dann auch die violett blühenden Büsche wieder, und konnte sie aus der Nähe anschauen. Es muss wohl eine Art Rhododendron sein. Zurück am Bahnhof, gönnte ich mir zur Feier des Tages kopfschüttelnd ein „Caramelchöpfli“ aus der Dose; und es schmeckt, tataaa, wie ein Caramelchöpfli. Danach setzte ich mich wieder in den Zug und fuhr nach Masuda, wo ich die Nacht verbrachte.
Hier eine kleine Ansage zu Onsen. Onsen sind heisse Quellen (direkt übersetzt heisses Wasser). Im allgemeinen meint man damit aber die Bäder, die darauf gebaut werden. Bei uns ein Luxus, gibt es sie in diesem tektonisch unterprivilegierten (oder überprivilegierten?) Land in jedem kleinsten Dorf. Die Japaner sind verrückt danach, man kann sich das etwa so vorstellen wie die Saunas in Finnland. Alle Onsen sind nach Geschlecht getrennt, und wenn man reinkommt, findet man Schliessfächer, in denen man seine Wertsachen deponieren kann. Man nimmt sich ein kleines vorhandenes Handtuch, und danach duscht man sich in kleinen, halboffenen Abteilen, in dem man sich auf einen Plastikhocker setzt. Das Wasser in den Onsen ist 40° oder mehr, sodass zumindest ich es nie länger als 5 minuten darin aushalte. Danach kann man sich wieder Duschen (Seife, Shampoo immer vorhanden), einen Schluck kaltes Wasser trinken - dass beste Heilmittel für sightseeing-müde-Knochen. In Onsen wird nackt gebadet, was sehr praktisch ist, da man sozusagen immer und überall in Onsens gehen kann, ohne ein Badehosen dabei zu haben.





Zum Glück bin ich in keiner Bibliothek, denn ich muss immer laut lachen, wenn ich Deinen Blog lese. Heute hat mir die Sache mit dem Caramelchöpfli besonders Spass gemacht - auf DIE Idee muss man ja echt erst kommen! :-)
So ein Onsen würd ich aber jetzt gerade auch nicht verschmähen, klingt ein bisschen wie Hamam, da kann man wegen den Tüchern anstelle von Badehosen auch einfach so mal hin - aber dann natürlich ohne Seife und gestellten Handtüchern. Vielleicht sollte man mit den Europäern (oder generell mit dem Rest der Welt) mal einen Workshop für kundenorientiertes Verhalten in Japan veranstalten?
Noemi April 20, 2010 at 12:53 AM
Würde ich deine Berichte und Bilder in einem Reisekatalog entdecken, wäre ich gleich gewonnen.
es ist immer wieder amüsant, unterhaltsam und bildend zugleich.
Auch mir gefiel deine Caramellchöpfligeschichte besonders gut, obwohl ich immer noch ein bisschen misstrauisch bin über die Geschmacksqualität. Anderseits kenne ich natürlich deine absoluten Ansprüche an die Caramelchöpfli`s, dass ich dir einfach glauben muss.
Unknown April 20, 2010 at 5:49 AM