Hagi

3:10 AM Monday, April 19, 2010

Ich bin froh habe ich die Chance gepackt und mir gestern noch ein zweites Caramelchöpfli rausgelassen, den dieses mit einem heissen Kaffee aus der Dose ergibt eine exzellente Frühstücks-Combo. Die südliche Westküste Japans ist einfach wunderschön, um mit dem Zug entlang zu fahren, und es tut mir Leid, dass ich euch die Fotos wegen Reflexionen und Fahrtbewegung nicht antun kann. Hagi liegt dann eine Stunde Zugfahrt südlich von meinen Nachtlager, und ist bekannt dafür, eine ziemlich original erhaltene Castle-town (wie soll man das Übersetzten?) an der Küste zu sein. Viel habe ich von dieser Altstadt jedoch nicht gesehen. Oder vielleicht kann ich in meiner Ignoranz alte japanische Häuser nicht von neuen, nachgemachten unterscheiden. Irgendwie sehen für mich alle gleich aus. Macht nichts, das Städchen liegt an einer Bucht am Japanischen Meer und ist sehr schmuck, hat einen Strand und einen ins Meer ragenden Hügel, an dessem Fuss die Ruinen einer Burg zu sehen sind. Zwischen Burgruine und Hügel erstreckt sich eine sehr ruhige Parkanlage, und auf dem 134m hohen Hügel findet man ebenfalls Mauerruinen und durch das Blätterwerk der knorrigen Bäume einen Ausblick auf die Stadt. Überall in Japan findet man Monumente, auf denen geschichtliche Ereignisse festgehalten werden. Eines mit besonders schöner Inschrift datierend aus dem Jahr 1770 fand ich auf dem Weg zum „Gipfel“. Mit dem Velo (übrigens im vergleich zu China, wo die Velos immer im Topzustand waren, eine Klapperkiste) gings danach 4 km die Strandstrasse hoch zu einer kleinen vulkanischen Halbinsel. Am Fusse dessen liegt eine malerische Lagune mit grossen Salzwasserfischen. Als ich da ankam, sah ich ziemlich viele Bussarde über der Lagune, und fragte mich was die da suchten. Die Frage wurde beantwortet als ich mein Mittagessen auspackte. Sofort war ich von einem Schwarm der Raubvögel umgeben (Video), und einer riss mir im Sturzflug mein Fleischklösschen aus der Hand. Die Vögel waren ziemlich schlau, und sobald ich das Essen zur Seite und den Fotoapparat in die Hand nahm, waren sie weg. Zudem liessen sie sich mit ihren Adleraugen nicht von Tannzapfen und derlei täuschen.

Die Diskrepanz, ja der Kulturschock zwischen Lokalzug und Shinkansen könnte nicht grösser sein als in Asa, dem Städtchen durch das mich meine Reise von Hagi nach Fukuoka führte. Wenn man den Lokalzug, eine Art Dieselmotor betriebener Hybrid aus Lokomotive, Bus, Tram, auf Schienen fahrend, vollgestopft mit Schulkindern in Uniform und alten Damen auf einer ihrer weniger Reisen in dichter besiedelte Gebiete, verlässt, wird man über eine High-tech Überführung zum Shinkansen Terminal geleitet, dass auf einem 20 m hohen Aquädukt die Landschaft durchreisst. Der High-Speed Zug fährt wie ein sanfter Riese geraüschlos ein, und auf dem reservierten 1. Klasse Sitz findet man sich zwischen Businessman und schicken Tussis wieder. Das einzige was einen an Asa daran erinnert, dass man sich wohl immer noch auf dem Land befindet ist, ist die die schüchtern kichernde Bahnhofangestellte, der man anmerkt dass nicht jeden Tag ein Ticket an einen nicht-Japaner verkauft.









2 Kommentare:

  1. Imposant und ganz schön frech, diese Vögel. Erinnert ein bisschen an Hitchcock.Hattest du wenigstens noch Nachschub oder musstest du auf dein Mittagesen verzichten??
    Du legst mit diesem Zug ganz beachtliche Strecken zurück, hab es heute mal auf Googleearth ein bisschen verfolgt. Ist bestimmt eine schöne Art zu Reisen, immerhin bekommt man landschaftlich viel mehr mit als mit dem Flugzeug.

    Unknown

  2. Das war tatsächlich Hitchcock mässig. Ich habe mein Mittagessen mit ihnen geteilt. Ja , ich fahre ungefähr 2-3 Stunden Zug am Tag. Japan ist doch grösser als es auschaut, aber die Infrastruktur iste infach beneidenswert fantastisch!

    Raph

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