Matsue

2:16 AM Sunday, April 18, 2010

Matsue geht mit seinen romantischen Kanälen glatt als Venedig Japans durch. Es liegt an der Westküste und ist bekannt für seine schönen Sonnenuntergänge. Die Zugstrecke von Okayama dahin führt 2 Stunden durch ein malerisches Tal, einem Fluss folgend zwischen Hügeln bedeckt mit violett-blühenden Büschen und Bambuswäldern. Über der Stadt thront eine Burg, welche von einem Burggraben umgeben ist. Nachdem ich durch die ziemlich relaxed aussehende Stadt geschlendert bin, habe ich mir diese angeschaut, und bin danach Richtung Shinji-ko, dem See, an der Matsue liegt, gelaufen. Diese wird von einer schönen Promenade geziert, welche leider vor einer mehrspurigen Strasse liegt, und dadurch ein bisschen von der Stadt abgekapselt und steril wirkt. Um den scheinbar wirklich berühmten Sonnenuntergang entsprechend zu würdigen, wurde im Kunstmuseum eine Sonnenuntergangsterasse installiert. Das Museum, ein schönes modernes Gebäude, hat dementprechend immer bis eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang offen. Ich habe mir deshalb zuerst die Austellung von berühmten Amerikanischen Fotografen aus dem letzten Jahrhundert angeschaut, und weil das Wetter heute wirklich top war, habe ich mich danach zu den dutzenden Japanern gesellt, die alle den Sonnenuntergang erwartet haben. Ein tolles Schauspiel, auch wenns halt schlussendlich doch überall gleich aussieht, und ihr in Europa dank dem Eyjafjallajökull momenta wahrscheindlich die schöneren habt.

Hier eine kleiner Ausflug in die Japanische Soziologie: Die Detailverliebtheit der Japaner drückt sich in ganz alltäglichen Dingen aus. Am auffälligsten ist dies beim verpacken von gekauften Artikeln. Dabei spielt es keine Rolle ob man ein Brötchen, eine Flasche Wasser am Kiosk oder ein Kleidungsstück kauft. In der Bäckerei zum Beispiel wird jedes Brötchen liebevoll in eine eigene Papierumhüllung gepackt, dabei werden Pizzastücke oder klebrige stellen bei Apfeltaschen mit einem Stück Plastik abgedeckt, sodass es keine Schweinerei gibt. Jede Papiertüte wird danach sorgfältig zugeklebt, oder kunstvoll gefaltet. Das Trinkloch beim take away Kaffe im Pappbecher wird ebenfalls zugeklebt, sodass nichts auslehrt. In einem Kiosk oder Tankstellenshop wird der Plastiksack beim Halter gerollt, oder zwischen den Trägern mit einem Klebstreifen abgeklebt, aber auf jeden Fall wird die Tüte griffbereit in Richtung Käufer gedreht. Kleidungstücke werden extrem sorgfältig mit Papier eingerollt, sodass man das Gefühl hat man hätte etwas extrem teures gekauft. Wenn es regnet wird ein Papiersack mit einem extra dafür designten Plastikübersack gedeckt, der Löcher für die Griffe hat, und unten wiederum zugeklebt wird.








3 Kommentare:

  1. Herrlich, das gefällt mir auf der ganzen Linie. Sowohl die romantischen Sonnenuntergänge, deine immer wieder schönen Kirschblüten, aber vor allem die herrliche Geschichte über das Verpacken, da möcht ich hin!!!

    Unknown

  2. I really like your description about the socio-psychological features of the Japanese; this society must be unique in certain aspects.

    The black and white photo is super, it leaves room for speculating about the story that might be going on. Lovely sunsets too, nice range of colors...

    Lilli

  3. Da kann ich mich nur anschliessen - ich mag, wie immer, diese kleinen Geschichten über die "Spezialitäten" anderer Länder. Und mit den Bildern übertriffst Du Dich langsam selbst!

    Noemi

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